MANIPULATION AM CHARAKTER
Hervorragende Inszenierung von Neil LaBute »Das Maß der Dinge« durch Oleg Myrzak in der Tonne
von Monique Cantré
REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER, 19.11.2011
REUTLINGEN. Schon der Kulissenaufbau ist von theatraler Gewitztheit: Zu einer Spielart von sinfonischem Balkanpop geistern vier Gestalten mit Stirnlampen durch die Finsternis und schieben Rollpodeste auf die von den Zuschauern gesäumte Spielfläche. Es bleibt dann dunkel, denn die erste Szene spielt nächtens im Museum, wo die Kunststudentin Evelyn einer Götterstatue einen provozierenden Phallus ansteckt. Damit bringt sie den als Museumsaufsicht jobbenden Studenten Adam ziemlich durcheinander - und knüpft erste zarte Bande.
Was so anregend beginnt, hält die Inszenierung von Neil LaButes Gesellschaftssatire »Das Maß der Dinge« bis zum Ende virtuos durch. Regisseur und Ausstatter Oleg Myrzak hat mit seiner ersten Arbeit an der Tonne ein Glanzstück abgeliefert, das LaButes Schlagfertigkeit in Sprache und Handlung perfekt umsetzt. Und das den beabsichtigten Schock durch die geradezu obszöne Auflösung des Plots erkenntnisbringend darbietet. Der große Applaus nach der Premiere am Donnerstagabend in der Planie 22 galt aber nicht nur ihm, sondern auch den vier Darstellern Chrysi Taoussanis (Evelyn), Eckart Schönbeck (Adam), Margot Binder (Jenny) und Gero Mertens (Phillip).<
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