Oleg Myrzak - Theaterregisseur - Die Herzschrittmacherin
Donnerstag, 17.05.2012, 19:22
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Oleg Myrzak
Theaterregisseur, Schauspielcoach

Die Herzschrittmacherin

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24.10.2008. PASSAUER NEUE PRESSE

Selbstmord in der Gefriertruhe

Rolf Kemnitzers „Herzschrittmacherin“ in den Landshuter Kammerspielen

Alter als Kult? Fast könnte man nach der Premiere von Rolf Kemnitzers „Herzschrittmacherin“ in den Landshuter Kammerspielen diesen Eindruck gewinnen. Seine skurrile Oma-Enkel-Geschichte bricht klassische Alten-Klischees auf und lässt hinter seniler Sinnesverwirrung eine markante Lebensanalyse und die Anarchie geistiger Freiheit aufblitzen.
„Wer sagt, dass ich liege? Vielleicht steh ich . . .  und die ganze Welt liegt.“ Die 80-jährige Magda stellt mit ihrem Denken die Welt auf den Kopf. Mit ihrem kleinkriminellen Enkel verbindet sie die Einsamkeit und Haltlosigkeit. Die Rebellion hat sie ihm voraus.
Mit sensiblem Gespür entdeckt Regisseur Oleg Myrzak die Skurrilität und die Handlungsraster des Stücks als Chiffren menschlicher Distanzen und Annäherung. Kühlschränke und Tiefkühltruhen gruppiert er um das versiffte Kanapee. Der Selbstmordversuch in der Tiefkühltruhe ist nicht lustig, er berührt. Die ganze Inszenierung berührt, nicht in desolater Traurigkeit, sondern durch die Leichtigkeit des Seins, die eintritt, wenn menschliche Wärme auftritt, hörbar gemacht durch die Musik von Marcus Tronsberg.
Magda Stief zeichnet ein markantes Altenporträt zwischen seniler Vergesslichkeit und pointierter Vergangenheitsanalyse. Sie leuchtet hinab in die Untiefen des Alters zwischen Hässlichkeit, körperlicher und geistiger Erstarrung. Umso stärker strahlt verflossene Schönheit auf, wenn im Zarah-Leander-Rhythmus Liebe anklingt, sie nicht nur bemuttert, sondern sie sich noch ein bisschen als Frau fühlen darf. Auch Gerrit Selmeier beweist Wandlungsfähigkeit: vom Versager-Enkel zum Alptraum-Macho im Schützengraben. Mit Hitler-Bärtchen holt er das Fegefeuer zweier Weltkriege und einer Ehe ins Bewusstsein. Autor Rolf Kemnitzer, aus Berlin für die Premiere angereist, war positiv überrascht. Derart grotesk war keine der bisher sieben Inszenierungen.

Michaela Schabel


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